Kreditprüfung und Kreditentscheidung
Kreditprozess in der Praxis
Eine fundierte Kreditentscheidung entsteht nicht aus einer einzelnen Kennzahl. Sie verbindet den Finanzierungszweck mit der Prüfung der Unterlagen, der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage und der Rückzahlungsquellen sowie einer zur Finanzierung passenden Struktur.
Hier erfahren Sie, welche Schritte eine Kreditprüfung umfasst, welche Informationen für die Entscheidung wichtig sind und wie sich die wesentlichen Einschätzungen nachvollziehbar begründen lassen.

Das Wichtigste auf einen Blick
Eine Kreditprüfung verbindet Informationen zum Finanzierungszweck mit der Beurteilung der Kreditnehmenden und der geplanten Finanzierung. Umfang und Gewichtung der Prüfschritte richten sich nach der konkreten Finanzierung und der Risikolage.
| Finanzierungszweck: | Bedarf, Höhe, Laufzeit und vorgesehene Rückzahlungsquellen einordnen |
|---|---|
| Informationsbasis: | Jahresabschlüsse, unterjährige Zahlen und Planungen auf Vollständigkeit, Aktualität und Plausibilität prüfen |
| Risikobeurteilung: | Finanzielle und qualitative Faktoren gemeinsam betrachten – etwa Liquidität, Verschuldung, Geschäftsmodell und Marktumfeld |
| Entscheidung und Verlauf: | Die Kreditentscheidung nachvollziehbar begründen und relevante Veränderungen während der Laufzeit beobachten |
Was umfasst eine Kreditprüfung?
Eine Kreditprüfung beurteilt, ob eine konkrete Finanzierung zum Bedarf und zur wirtschaftlichen Situation der Kreditnehmenden passt und ob die vorgesehenen Rückzahlungsquellen plausibel sind. Dafür werden quantitative Informationen – unter anderem aus der Bilanz-, BWA- und Cashflow-Analyse – mit qualitativen Faktoren wie Geschäftsmodell, Management und Marktumfeld zusammen betrachtet.
| Wichtig: Die Kreditprüfung liefert die fachliche Grundlage für die Kreditentscheidung. Sie nimmt die Entscheidung nicht vorweg: Diese legt fest, ob und zu welchen Bedingungen die Finanzierung gewährt wird. |
Welche Unterlagen sind für eine Kreditprüfung wichtig?
Welche Unterlagen benötigt werden, hängt unter anderem von der Kreditart, dem Finanzierungsvorhaben und der Risikolage ab. Häufig fließen folgende Informationen in die Prüfung ein:
- Jahresabschlüsse: Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung zeigen die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage. Ergänzende Bestandteile wie Anhang oder Lagebericht werden berücksichtigt, sofern sie vorliegen und relevant sind.
- Aktuelle unterjährige Zahlen: Eine Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) und gegebenenfalls eine Summen- und Saldenliste (SuSa) geben Hinweise auf die laufende Entwicklung. Buchungsstand und Vergleichbarkeit sollten dabei mitbetrachtet werden.
- Planungs- und Liquiditätsinformationen: Ertrags-, Liquiditäts- und Investitionsplanungen helfen, künftige Entwicklungen und mögliche Rückzahlungsquellen einzuschätzen.
- Angaben zur Finanzierung: Finanzierungszweck, benötigte Höhe, Laufzeit und vorgesehene Rückzahlung gehören ebenso dazu wie Informationen zu bestehenden Finanzierungen und gegebenenfalls vorgesehenen Sicherheiten.
Entscheidend ist nicht allein die Anzahl der Unterlagen. Die Informationen sollten aktuell, plausibel und im Zusammenhang mit dem konkreten Finanzierungsvorhaben beurteilbar sein.
Wie wird eine Kreditentscheidung begründet?
Eine Kreditentscheidung führt die Ergebnisse der Prüfung zusammen. Sie sollte nicht auf einer einzelnen Kennzahl beruhen, sondern die Rückzahlungsquellen, die wirtschaftliche Situation und die wesentlichen Risiken im Zusammenhang betrachten.
- Tragfähigkeit: Wie belastbar sind die vorgesehenen Rückzahlungsquellen im Verhältnis zur Finanzierung?
- Risiken und Annahmen: Welche Informationen und Unsicherheiten beeinflussen die Einschätzung?
- Finanzierungsstruktur: Wie passen Laufzeit, Tilgung und mögliche Sicherheiten oder Covenants zur Finanzierung und ihrer Risikolage?
Eine nachvollziehbare Begründung verbindet die wesentlichen Informationen, Annahmen und Bedingungen mit der Entscheidung. Die konkreten Genehmigungs- und Dokumentationswege richten sich nach den Vorgaben des jeweiligen Instituts.
Häufige Fragen zur Kreditprüfung
1. Was ist der Unterschied zwischen Bonitätsanalyse und Kreditprüfung?
1. Was ist der Unterschied zwischen Bonitätsanalyse und Kreditprüfung?
Die Bonitätsanalyse beurteilt die Fähigkeit und Bereitschaft eines Unternehmens oder einer Person, Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Die Kreditprüfung betrachtet zusätzlich die konkrete Finanzierung, etwa Zweck, Höhe, Laufzeit, Rückzahlungsquellen und vorgesehene Bedingungen.
2. Führt eine gute Bonität automatisch zu einer Kreditzusage?
2. Führt eine gute Bonität automatisch zu einer Kreditzusage?
Nein. Die Bonität ist ein wichtiger Teil der Beurteilung, aber die Entscheidung bezieht auch den Finanzierungszweck, die Rückzahlungsquellen, die Struktur des Kredits und die damit verbundenen Risiken ein.
3. Ersetzen Sicherheiten die Prüfung der Rückzahlungsfähigkeit?
3. Ersetzen Sicherheiten die Prüfung der Rückzahlungsfähigkeit?
Nein. Sicherheiten können das Verlustpotenzial begrenzen, ersetzen aber nicht die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation und der vorgesehenen Rückzahlungsquellen.
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Redaktioneller Stand: Oktober 2026. |





